Die Sierra de Tramontana auf Mallorca

Buenos días Tramuntana

Die “Serra de Tramuntana” (“Serra de Tramuntana” ist Katalanisch. Auf Hochspanisch/Kastellanisch heisst es „Sierra de Tramontana“) ist ein Gebirgszug im Nordwesten von Mallorca, welcher sich auf 90 km Länge (von Andratx bis zum Cap Formender), und an der breitesten Stelle auf 15 km Breite erstreckt. Die höchste Erhebung ist der Berg Puig Mayor (Aussprache: “Putsch Major”) mit 1443 Metern. 

Seit dem 27. Juni 2011 gehört die Serra de Tramuntana zum UNESCO Weltkulturerbe in der Kategorie Kulturlandschaft. Das Bild der Serra de Tramuntana bestimmt vor allem ihre raue Naturschönheit mit den idyllischen Wanderwegen, Natursteinbauten und -mauern („pedra sec“ – ein Technik die ganz ohne Mörtel auskommt), die herrschaftlichen Gutshöfe/Herrenhäuser („possesions“), die Terrassierungen (vor allem in Banyalbufar noch gut erhalten), die Oliven- und Mandelhaine, tiefe Schluchten, die gewaltigen Felsformationen, und immer wieder dieser beeindruckende Ausblick – oft auch auf das Mittelmeer.
Wer einmal in der Tramuntana wandern war, kann sich der Schönheit des Gebirgszuges und der Gewalt der Natur nur schwer entziehen.

Die Tramuntana ist so vielfältig, und es gibt so wahnsinnig viel zu entdecken. Nachfolgend ein paar Tipps:

  1. Wandern auf dem alten Postweg von Esporles nach Banyalbufar
    Ein leichter ca. 2 1/2 h-Fussmarsch. Man geht einmal quer über die Berge, und erlebt ein grandioses Meerblickpanorama. In Banyalbufar angekommen, checkt man den Busfahrplan (für den Rückweg), und verbringt die Wartezeit in einem der Lokale, um die verbrauchten Kalorien wieder aufzufüllen. Tut gut.

    von Esporles nach Banyalbufar: der alte Postweg
    Der alte Postweg auf Mallorca: von Esporles nach Banyalbufar.
  2. Wandern im Barranc de Biniaraix
    Durch die Schlucht von Biniaraix bis zum Gipfel. Recht kurz (1- 2 h) aber schweisstreibend. Dafür sehr sehenswert. Denn der erste Teil des Weges ist fast komplett in der Trockenbauweise „gepflastert“. Im Winter fliesst das Wasser durch den Torrent in der Schlucht. Das ist wahnsinnig idyllisch.

    Barranc, Biniaraix, Mallorca, wandern
    Die Berge bei Biniaraix, Mallorca.
  3. Mit dem Auto von Andratx über Sóller und die Stauseen nach Selva. Tolle Fahrt an der Küste mit atemberaubenden Bergpanoramas entlang der Küste sowie schönen Strassen durch das Gebirge.
  4. Ausflug nach Fornalutx
    Ein fast schon zu schönes Bergdorf, welches zweimal den Preis für eines der schönsten Dörfer Spaniens(!) erhalten hat. Hier einfach parken, und durch die Gassen des Dorfes schlendern. Dabei unbedingt nach oben schauen: 28 der alten Dorfhäuser haben noch die von unten bemalten Dachziegel aus dem 16. Jahrhundert. Danach auf der Placeta einen Cafe con leche trinken, und die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Tipp: richtig lecker, und typisch mallorquinischen essen gehen im „Ca N’Antuna“ auf der Terrasse mit schönem Blick ins Tal.

    Panoramablick, Tramuntana, Mallorca, Wandern
    Panoramablick auf der Mittelmeer von der Tramuntana aus.
  5. Ausflug ins Kloster Lluc
    Hier ist es außerhalb der Sommermonate gefühlt immer etwas kälter und feuchter in der Inselebene. Das Kloster bietet Übernachtungsmöglichkeiten in relativ spartanischen Zimmern (ABER: mit Heizung!). Allerdings sollte man sich dort rechtzeitig anmelden. Am Wochenende ist das Kloster auch für die Mallorquiner ein beliebtes Ausfugsziel mit Übernachtung. Sehr angesagt ist auch das Garen des selbst mitgebrachten Grillguts auf dem Grillplatz nebenan. Im und rund um das Kloster kann man sich gut 1-2 Tage lang aufhalten und alles erkunden.
  6. Besuch der StauseenCuber“ und „Gorg Blau
    Westlich vom Puig Mayor liegen die beiden, miteinander verbundenen Stauseen, und sichern die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Palma. So sie denn voll sind. Obwohl auch das den erhöhten Trinkwasserbedarf der Inselhauptstadt mittlerweile nicht mehr deckt. So wird paradoxer weise im Sommer regelmässig Trinkwasser per Schiff vom Festland geholt. Beide Stauseen entstanden in den 60er/70er Jahren und haben zusammen eine Fassungsvermögen von 12 Millionen m3. Der Blick auf die Stauseen macht bei schönen Wetter besonders Spass, da sie dann in strahlendem blau und türkis schimmern. Merke: „George Blau“ – „blau“ bedeutet auf mallorquin auch „blau“.
  7. Sundowner bei Sa foradada
    „Sa foradada“ ist eigentlich nur ein an der Küste vorgelagerter Felsen mit einem Loch drin. ABER dort gibt es einen wunderschönen Ausblicktauf das Meer, an dem sich mittlerweile auch ein Chiringuito (Getränkekiosk im Freien) platziert hat. Dort kann man nicht nur tagsüber eine Pause einlegen und schöne Fotos machen. Sondern man kann sich auch Abends zum Sonnenuntergang einen Drink genehmigen (ausser dem Fahrer, natürlich), und die glutrote Sonne im Meer versinken sehen. Doch Obacht: kurz vor Sonnenuntergang kommen in den Sommermonaten ziemlich viele Leute, die das Selbe im Sinn haben, und versperren einem die Sicht, wenn man sich nicht schon vorher in erster Reihe platziert hat …

    Panoramablick, Tramuntana, Mallorca, Wandern
    Grandioser Blick von der Tramuntana (Mallorca) auf das Mittelmeer
  8. Anspruchsvolle Wanderung durch den Torrent de Pareis
    Es wird behauptet dieser Ort sei magisch. Zumindest ist er gefährlich. Zahlreiche Wanderer haben sich schon auf eigene Faust an dieser imposanten Schlucht versucht, und sind gescheitert. Der Torrent de Pareis ist eigentlich ein Sturzbach – durch eine tiefe und zum Teil auch sehr enge Schlucht, – der mal mehr und mal weniger Wasser führt. Die Schlucht hat bis zu 200 m hohe Felswände und führt auf 3,3 km bis nach Sa Calobra ins Mittelmeer. Diese Wanderung sollte niemals ohne einen ortskundigen Führer unternommen werden!
  9. Strände in der Tramuntana
    Die Strände in der Tramuntana sind oft schwer zugänglich, oder man muss erst einen kleinen Fussmarsch hinter sich bringen. Zudem gibt es kaum Sandstrände. Hier ist Fels, Stein und Kiesel angesagt. Dafür sind die Strände meist weniger besucht und das Wasser ist wunderbar klar. Wer Naturstrände mag, und auf eine Pommes nach dem schwimmen verzichten kann, ist hier richtig. Wasserschuhe nicht vergessen. Und bitte den Müll wieder mitnehmen.
    Es gibt massig Zugänge zum Meer –  die beliebtesten sind:
    Cala d’Egos / Cala en Basset, in der Gemeinde Andratx
    Platja de Sant Elm und Cala Conills, in der Gemeinde Andratx
    Cala Estellencs, in der Gemeinde Estellencs
    Cala de Banyalbufar, in der Gemeinde Banyalbufar
    Es Port des Canonge, in der Gemeinde Banyalbufar
    Cala de Valldemossa, in der Gemeinde Valldemossa
    Cala Deià, in der Gemeinde Deià
    Llucalcari, in der Gemeinde Deià
    Cala Tuent, in der Gemeinde Escorca
    Sa Calobra, in der Gemeinde Escorca
    Cala de Sant Vicenç, in der Gemeinde Pollença
    Cala Pi de Sa Posada, in der Gemeinde Pollença
    Cala Bóquer, in der Gemeinde Pollença

    Leer und wunderschön: die Naturstrände in der Tramuntana
    Leer und wunderschön: die Naturstrände in der Tramuntana
  10. Wasserwirtschaft in der Tramuntana
    Das Gebirge ist geprägt und durchzogen von natürlich, und zum teil künstlich angelegten Wasserwegen und
    -reserven (Kanäle, Bassins, kleine Wasserfälle, Bäche etc). Da Süßasser auf der Insel eine knappes Gut ist, wurde und wird es wo es nur geht, gewonnen, aufgefangen und weitergeleitet. Dabei fügen sich die von Menschenhand vorgenommenen Maßnahmen harmonisch und im Einklang mit der Natur, in die Landschaft der Tramuntana ein. Das ergibt ein unglaublich romantisches Gesamtbild. Vor allem im mallorquinischen regenreichen Winter, wenn in den Bergen scheinbar von überall her Wasser kommt …
  11. Die „ruta de la pedra en sec
    ist ein uralter Fernwanderweg, der sich fast über die gesamte Länge der Tramuntana zieht. Das Besondere entlang der Strecke, sind die Mauern, Wege und Gebäude in der Trockenstein-Bauweise. Diese ermöglichte es den Bewohnern des Gebirges, die Wege und Gebäude mit den vorhandenen Materialien (Felsgestein) zu bauen und zu befestigen. Übernachten kann man unter anderem in folgenden „refugis“ (Berghütten):
    Alaró, Hostatgería del Castell d’Alaró – Tel. +34 971 182 112
    Sóller, Refugi de Muleta – Tel.  +34 971 634 271
    Deià, Refugi de Can Boi – Tel. +34 971 636 186
    Escorca, Refugi de Son Amer – Tel. +34 971 517 109
    Escorca, Refugi de Tossals Verds – Tel. +34 971 182 027
    Pollença, Refugi Pont Romà – Tel. +34 971 533 649

    Tramuntana, Mallorca: pedra en sec
    Pedra en sec in der Tramuntana, Mallorca
  12. Wilde Ziegen
    begegnen einem überall im Tramuntana-Gebirge. Dazu muss man noch nicht einmal wandern gehen. Deshalb ist Obacht auch auf den Strassen im Gebirge geboten. Fährt man mit Schmackes in eine der engen Kurven, weil man sich gerade an die Straßenlage gewöhnt hat, so kann es passieren, dass man hart in die Eisen gehen muss, weil sich hinter der Kurve eine Ziegenherde in aller Seelenruhe breit gemacht hat. Im übrigen wird behauptet, dass diese Ziegen, ausgewilderte Hausziegen sind.
  13. Die zur Serra de Tramuntana gehörenden Gemeinden sind:
    Alaró, Andratx, Banyalbufar, Bunyola, Calvià, Campanet, Deià, Escorca, Esporles, Estallencs, Fornalutx, LLoseta, Mancor de la Vall, Pollença, Puigpunyent, Santa Maria del Camí, Selva, Sóller, und Valldemossa.
    Das sind insgesamt ca 40.000 Einwohnern auf über 1000 qm. Dabei sind sowohl charmante Bergdörfer wie Valldemossa (Buchtipp: George Sand „Ein Winter auf Mallorca“), als auch Küstendörfer wie Banyalbufar und Deià sowie das charmante Fornalutx (welches zwei mal zu einem der schönsten Dörfer Spaniens gekürt wurde), oder das authentische Bunyola, und viele schöne weitere Dörfer zu entdecken.

    Tramuntana, Mallorca, Wandern
    Tramuntana: unglaublich schön.
  14. Aktivitäten in der Tramuntana:
    – free climbing an den Felsen und der Küste
    – canyoing in den Schluchten
    – (geführte) Wanderungen
    – Fahrrad fahren
    – Baden an den Stränden
    – geführte Höhlentouren
    – Bootstouren entlang der Küste
    – Übernachten in einen der Agrotourisme-Hotels oder „refugis“
    – Überachtung im Kloster Lluc
    – Paragliding
    – Ballonfahrt
    – jede Menge Kurse und Workshops. Vom Kochen bis zur Herstellung des eigenen Hierbas (Kräuterlikör)
    – und für die ganz Harten: Laufen (rennen!) durch das GebirgeFür alle Aktivitäten empfiehlt es sich, vorher genaue Infos einzuholen (Wetter, Route, Schwierigkeitsgrad etc). Am besten man engagiert direkt einen ortskundigen Führer. Es lohnt sich! Weitere interessante Infos auf deutsch findet Ihr auf der offiziellen Website der „SERRA DE TRAMUNTANA“.

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